Hätte man uns vor ein paar Jahren nach Uruguay gefragt – wir hätten wohl beide geschätzt, dass Uruguay in Afrika liegt… und wir haben uns dieses kleine Land komplett anders vorgestellt, „hinterwäldlerischer“. Wir wurden in den letzten Wochen vom Gegenteil überzeugt: Uruguay ist wohl das fortschrittlichste Land Südamerikas, punktet mit einer relativ niedrigen Kriminalitätsrate und guten Arbeitsbedingungen. Es zählt zu den – ich glaube, es waren 15 – Ländern mit den besten Arbeitnehmerbedingungen weltweit, wahrscheinlich, weil es hunderte von Gewerkschaften gibt. Streiks in sämtlichen Branchen stehen hier an der Tagesordnung, unsere Post- und Bahnstreiks scheinen für Uruguayer nichts besonderes zu sein.
Außerdem hat Uruguay eine Alphabetisierungsrate von mehr als 90% und jedes Grundschulkind bekommt vom Staat ein Notebook geschenkt. Und der bis 2015 amtierende Präsident hat von seinem Gehalt (12.500 USD) wohl 90% gespendet, lebt auf einem Bauernhof in der Pampa und fährt einen hellblauen VW Käfer – sympathisch, oder?
Er war übrigens auch hauptverantwortlich dafür, dass Uruguay Cannabis legalisiert hat – das einzige Land also, in dem Kiffen erlaubt ist. Man hat die Wahl zwischen drei Möglichkeiten, an „Flowers“ zu kommen: entweder man darf sich 6 Pflanzen im eigenen Garten halten oder man holt sich sein Zeug als registrierter Kunde in der Apotheke oder aber man gehört einem Cannabis-Club an und bekommt am Monatsanfang eine Ration – alles staatlich geregelt. Und hier wird ohne die Zugabe von Nikotin gekifft, wirkt gleich ganz anders…
Alles in allem fühlt man sich hier richtig wohl und sicher, alles erinnert an unsere europäische Ordnung – leider auch die Preise. Die sind hier zum Teil teurer als in Deutschland. Uruguay hat wohl nicht viel eigene Industrie, daher sind sämtliche Importwaren, Markenprodukte, Autos und leider auch Diesel ziemlich teuer. Selbst das DutyFree-Shopping in Chuy an der brasilianischen Grenze bringt für uns kein wirkliches Schnäppchen, obwohl uns das jeder hier empfohlen hat.

Trotzdem sind wir echt begeistert von Uruguay. Wir haben uns in den letzten Tagen Punta del Diablo und Cabo Polonia angesehen, zwei Hippie-Dörfer an der Küste. Momentan ist alles noch ziemlich ausgestorben (Vorsaison), zum Glück für uns, in zwei Wochen geht die Hauptsaison hier los und dann sind die Strandhütten und Cabanas voll von Touris, Langhaar-Hippies und Cannabis-Geruch.

Die letzten Tage haben wir an den Lagunen und am Meer verbracht, deutsch-schweizerisches Grillieren an der Laguna Negra, deutsch-amerikanisches Kiffen in Punta del Diablo und deutsch-uruguayisches Warten auf Wind an der Laguna Garcon.

Nun geht’s wieder zurück ins Paraiso Suizo, dort warten noch Ersatz-Ventildeckeldichtungen auf uns, die wir uns noch hierher schicken haben lassen, die nehmen wir lieber mal mit 😉 und dann geht’s nochmal auf Richtung Norden – wir machen eine kleine Planänderung, denn eigentlich wollten wir nun in den argentinischen Süden aufbrechen. Irgendwie wollen wir aber doch noch die Iguazu-Wasserfälle und die Ibéra-Sumpfregionen südlich davon sehen, nachdem wir schon so viel darüber gehört haben, also brechen wir morgen in die komplett entgegengesetzte Richtung auf – Ab nach Brasilien!