Der Bus hat eine ganzheitliche Kur in einer Werkstatt in Santiago bekommen, er macht seinem Namen „Dreckskarre“ mal wieder alle Ehre. Augenscheinlich wieder fit haben wir die Werkstatt dann nach knapp drei Wochen Generalüberholung verlassen, aber schon nach wenigen Kilometern hat uns der Bus mit ordentlich Qualm und Ölspucke gezeigt, dass ihm das wohl nicht passt. Also wieder zurück in die mittlerweile heimischen Gefilde der T3-Werkstatt, neuer Check Up. Dieses Mal möchte der Bus eine neue Ölpumpe haben – warum auch nicht? Wir erfüllen ihm ja immer jeden Wunsch. Nur, dieses Mal hätte er sich etwas anderes aussuchen können, denn genau diese Ölpumpe gibt es in Südamerika nicht, die muss jetzt aus Deutschland geliefert werden. Lieferzeit ungewiss, mindestens eine Woche. Uns fällt langsam die graue Decke Santiagos auf den Kopf, wir sind ziemlich genervt! Daher lassen wir unser wankelmütiges Fahrzeug mal sich selbst überlassen und buchen uns zwei Flüge – ab auf die Osterinsel!

Mr. Google spuckt beim Stichwort „Osterinsel“ oder „Rapa Nui“, wie sie in der einheimischen Sprache heißt, natürlich zuallererst Bilder ihrer berühmten Steinstatuen, der Moai, aus. Um diese berühmten, bis zu 10 Meter hohen Steinfiguren, die vermutlich Häuptlinge oder Ahnen darstellen sollten, und um die Geschichte der Insel und ihrer Ureinwohner ranken sich immer noch diverse Theorien. Rapa Nui ist kein typisch subtropisches Palmen-Pina-Colada-Strand-Urlaubsziel, es zählt zu den geheimnisvollsten, mythischen Zielen weltweit und beschäftigt zahlreiche Archäologen, Anthropologen und andere Forscher.
Im Prinzip ist die Osterinsel der Gipfel einer Vulkankette, die sich unter dem Meer bis zu 3000 Meter in die Tiefe schlägt. Sandstrände gibt es nur wenig, die Küste besteht aus zerklüftetem Vulkan-Tuffgestein. Die heutige Landschaft besteht überwiegend aus Grasland, was jedoch nicht der natürlichen Vegetation der Insel entspricht. Forscher haben herausgefunden, dass die Insel ursprünglich mit dichten Palmwäldern und anderen Pflanzen bewachsen war, wahrscheinlich aber eine Abholzung durch die Ureinwohner selbst stattgefunden hat, die das Holz für den Fischfang und vor allem für die Herstellung und den Transport ihrer massiven Steinfiguren benutzt haben. Die Besiedlungs- und Frühgeschichte der Insel ist aufgrund fehlender schriftlicher Überlieferungen aber noch in vielen Teilen unbekannt. Warum die Steinfiguren bei Ankunft der ersten Europäer 1722 größtenteils umgeworfen waren, die Ureinwohner in schlechtem Zustand waren und nur sporadische Landwirtschaft betrieben wurde – es existieren zahlreiche Theorien, von „ökologischer Selbstzerstörung“ über die Zerstörung der Wälder durch polynesische Ratten bis hin zum „gesellschaftlichen Kollaps“ durch grausame Kämpfe unter den Rapa Nui… Heute finden verschiedene Projekte und Unternehmungen der Ureinwohner und der chilenischen Regierung statt, die durch Aufforstung und Pflanzung ursprünglicher Flora versuchen, die Insel sprichwörtlich zu retten, denn aufgrund der wenig vorhandenen Wälder ist die Insel massiv der Erosion durch Wind und Regen ausgesetzt. Ja, hier gibt’s viel zu lernen, und wir waren mal wieder fleißige Touristen!

Wir erkunden alle Sehenswürdigkeiten der Osterinsel nun statt mit dem Bus mal mit dem Motorrad: 887 Steinstatuen, beeindruckende Ausblicke am Meer und am Kraterrand und eine ziemlich entspannte Atmosphäre – der „Urlaub vom Urlaub“ war’s allemal wert! Ganz zu schweigen von dem grandiosen Pisco Sour, dem überragenden Thunfisch und der noch viel unvergesslicheren Ceviche…..!!!