Kaum zu glauben, aber die Zeit ist vergangen wie im Flug! Ich trau es mir ja fast nicht zu schreiben, aber wir haben es doch tatsächlich fertig gebracht, geschlagene sechs Wochen am Strand in Paracas zu verbringen… Gemeinsam mit unseren Schweizer Nachbarn Miri und Thomas haben wir versucht, einen sehr strikt geregelten Tagesablauf einzuhalten: Essen, Kiten, Duschen, Essen… Ab und zu gab’s noch ein kleines Gläschen mit einem kleinen Schüsschen Rum – furchtbar, ich weiß!

Bevor wir anfangen, hier einen Zaun um unsere Autos zu bauen und einen Baum zu pflanzen, verlassen wir Paracas und leider auch Miri und Thomas. Die beiden werden versuchen, unseren 6-Wochen-Rekord noch zu brechen, und wir werden uns ziemlich sicher wiedersehen – zur ersten kolumbianischen Kite-Session vielleicht…?

Unser Plan führt uns jetzt mal wieder hoch hinauf, ab in die Cordillera Blanca. Der gewaltige Gebirgszug mit mehr als 650 Gletschern beherbergt die imposantesten Berge Perus, der Nevado Huascaran ist mit 6768 Metern der höchste. Wir haben dieses Mal leider nicht sehr viel Zeit für die atemberaubende Bergwelt. Wir wollen relativ schnell nach Ecuador, um hoffentlich noch ein Last-Minute-Galapagos-Schnäppchen abzustauben, bevor dort Mitte Dezember die Hochsaison beginnt und die Preise von „viel zu viel“ auf „wirklich unbezahlbar“ klettern.

Daher machen wir es genau so, wie man’s nicht machen soll. Wir fahren möglichst schnell von Meereshöhe hinauf auf 4800 Meter und hängen gleich noch einen abendlichen Spaziergang zum Pastoruri-Gletscher hoch auf 5200 Meter dran. Von unseren überzähligen roten Blutkörperchen ist nach unserem Langzeitaufenthalt an der Küste natürlich nicht mehr viel übrig, wir schnaufen ordentlich. Der Glaciar de Pastoruri ist ein ziemlich beeindruckendes bzw. erschreckendes Beispiel für den Klimawandel, denn die (noch) gewaltige Eismasse zieht sich pro Monat um ganze 1,5 Meter zurück.

Die Gletscherschmelze in der Cordillera Blanca bewirkt ein Ansteigen der Pegel sämtlicher Gletscherlagunen. Daher hat man in den letzten Jahren vorsichtshalber schon Wasser aus den Seen künstlich abgeleitet, um Überschwemmungen, Aufweichungen und folgenden Erdrutschen vorzubeugen. Eine weitere natürliche Katastrophe erwartet uns einige Kilometer weiter nördlich, im Örtchen Yungay am Fuße des mächtigen Huascaran (6768 m). 1970 führte ein Erdbeben der Stärke 7,7 zum Abrutschen einer Flanke des Berges, und innerhalb von wenigen Minuten begrub eine unvorstellbar große Eis- und Gerölllawine den Ort meterhoch unter sich. Heute findet sich dort ein riesiger Gedenk-Friedhof, der neue Ort wurde direkt daneben neu aufgebaut.

Unheimlich, solche Naturgewalten. Und wahnsinnig schön andererseits. Besonders die türkisfarbenen Lagunen hier. Wir gehen wandern und sind ziemlich erschöpft, die dünne Luft macht uns echt zu schaffen. Aber wir haben eben einfach nicht mehr Zeit zur Höhenanpassung, ein deutsch-belgischer Grillabend ist noch drin, dann müssen wir weiter. Über den „Cañon del Pato“, die „Entenschlucht“, verlassen wir die Bergregion und nehmen die Panamericana Richtung Norden.

Auf den nächsten 900 Kilometern bis zur Grenze nach Ecuador können wir getrost Gas geben, in der trostlosen Küstenwüste verpasst man nicht wirklich viel. Unterhaltsam sind hier nur wieder die peruanischen Verkehrsmanieren. An das ständige Gehupe haben wir uns ja schon gewöhnt, aber für das permanente Drängeln haben wir wohl noch zu wenig südamerikanische Gelassenheit. Selbst in Schlangen vor Mautstationen schaffen es die Einheimischen, sich noch vorzudrängeln. Und wenn aggressives Einfädeln mal nicht so gut klappt, dann gibt’s ja zum Glück immer noch den Seitenstreifen rechts. Ein zackig vorbeiziehender PKW links, wie immer mit bunt blinkenden Girlandenlichtern verziert, ein scheppernder LKW der Generation uralt rechts von uns – da macht uns Autofahren so richtig Spass 😉

Schöne Komplexe zur Zoll- und Migrationsabfertigung haben sie da an die Grenze Peru-Ecuador hingestellt. Und viele Schilderchen, die einem den Weg zu Zoll und Immigration weisen. Leider zu viele Schilderchen, die alle das gleiche, aber eben in verschiedene Richtungen zeigen. Den Beamten hinter seiner schwarz folierten Scheibe können wir weder sehen noch akustisch verstehen, macht aber auch nichts, die Drängler links uns rechts fallen uns sowieso schon ins Wort. Die Grenzbeamten überschlagen sich auch nicht gerade vor Freundlichkeit, wir werden von A nach B geschickt, als wären wir die ersten Touristen hier. Vielleicht liegt es ja einfach an der Hitze, irgendwie läuft’s nicht so. Aber solche Tage gibt es eben auch – da sehnt man sich dann schon ein klitzekleines Bißchen nach der europäischen Ordnung, den sauberen Toiletten, der Kinderschokolade… Kein Grund, melancholisch zu werden, jetzt dürfen wir erst mal nach Galapagos!