Galapagos ja oder nein, die große Frage, die uns seit Wochen beschäftigt. Die Inseln sind einfach ein wahrer Budget-Killer, keine Frage. Immer wieder versichern uns aber entgegenkommende Reisende, dass es die Inseln wert wären, jeden noch vorhandenen Cent und wenn nicht, jedes noch vorhandene Kreditkartenlimit auszunutzen. Ok, muss also wirklich toll sein! Wir lassen uns von der Begeisterung mitreißen und fliegen hin. Die „Islas Encantadas“ („Verzauberte Inseln“) wurden erst 1535 entdeckt und dienten lange Zeit nur als Versteck für Wal-, Robbenfänger und Piraten. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts kamen die ersten wenigen offiziellen Siedler, Ecuador lagerte Strafkolonien vom Festland auf die Inseln aus. Einer der wichtigsten Besucher war Charles Darwin, der 1835 hier auf Entdeckungstour ging. Im Artenreichtum und dem Vorhandensein der vielen endemischen Tierarten, die sich im Vergleich zu anderen Arten des Festlandes perfekt an die Lebensbedingungen hier angepasst haben, hat er wesentliche Anstöße für seine Evolutionstheorie gefunden. Die menschliche Entdeckung des Archipels hat jedoch – wie so oft – auch vieles zerstört. Walfänger und Robbenfänger haben sich ausgetobt, unzählige Schildkröten wurden fast bis zur Ausrottung eingefangen und geschlachtet. Die Panzertiere können bis zu einem Jahr ohne Nahrung überleben, daher hat man sie als Frischfleischvorrat lebendig auf den Schiffen gelagert. Menschlicher Besuch vom Festland griff und greift bis heute durch das Einführen von Haustieren, Keimen und Samen massiv in die Flora und Fauna ein. 1959 wurden die Inseln dann zum Nationalpark erklärt. Es laufen unzählige Umweltprogramme zur Wiederherstellung des ursprünglichen Ökosystems. Mehr als 180.000 Touristen kommen jährlich hierher. Um die Tier- und Pflanzenwelt nicht noch mehr zu belasten, wurden sehr strenge Regularien eingeführt und das Preisniveau stark angehoben. Einfach herumspazieren geht in der „Ökodiktatur“ nicht, es gibt ausgewiesene Besucherstandorte, und selbst die dürfen – bis auf wenige Siedlungen – nur in Begleitung eines Galapagos-Guides und nur zu bestimmten Zeiten besucht werden. Einige Inseln dürfen überhaupt nicht betreten werden. Sämtliche Schiffe im Archipel werden rund um die Uhr satellitenüberwacht und bei Regelverstoß mit hohen Geldstrafen belegt oder gar die Lizenz entzogen. Auswandern nach Galapagos ist ebenso an viele Regularien geknüpft, um die Besiedlung der Inseln in Schach zu halten. Schnell wird einem klar, warum: die Inseln besitzen besondere Umweltbedingungen, die das Leben zahlreicher einzigartiger Tier- und Pflanzenarten erlauben. Die vulkanischen Inseln liegen im Einflussbereich mehrerer Meeresströmungen, die nährstoffreiches Wasser für die faszinierende Unter- und Überwasserwelt liefern. Delfine, Pinguine, Seelöwen, unzählige Fischarten, endemische Schildkröten und Echsen, kuriose Vögel… nur ein paar der einheimischen Wesen. Die interessante Entstehungsgeschichte, die zahlreichen endemischen Tierarten und ein wahnsinniger Artenreichtum – ein Mekka für Wissenschaftler. Und auch wir sind fasziniert. Um die Tiere zu sehen, braucht es noch nicht einmal Glück, die Tiere stören sich nicht an den Touristen. Eigentlich werden wir mehr oder weniger ignoriert, von Fluchtreflex ist keine Spur. Die Inseln wurden einfach zu spät von Menschen besiedelt, die Tiere haben wohl keine Angst mehr entwickelt. Und natürliche Fressfeinde gibt es auch nicht allzu viele, das Meer ist voll von Fischen, da ist genug für jeden dabei. Die Kormorane haben sogar das Fliegen verlernt, die Seelöwen wollen spielen, die Schildkröten stoßen mit ihrer Schnauze an unsere Kamera – verrückt!

Man neigt dazu, jedes Tier antatschen zu wollen. Unser Guide ruft uns immer wieder ins Gewissen, was man hier darf und was nicht. Berühren und vor allem Tiere essen, das sei verboten. Liegt es an seinem schlechten Englisch oder bedauert er es wirklich, beim Thema Essen hören wir jedenfalls immer so ein „leider“ heraus. Und kaum hat er diese Verbote ausgesprochen, da demonstriert er Tobi auch schon, wie man die Haie aus ihren Höhlen lockt: an der Flosse packen und herausziehen. Ja, in seiner Kindheit hätten sie die Haie ja immer so gerne umarmt, aber das darf man dann heute wirklich (leider) nicht mehr.

Um möglichst viel von den Inseln zu sehen, bucht man am besten eine mehrtägige Bootstour. Auch wir buchen uns auf ein kleines Boot und schippern 8 Tage von Insel zu Insel. Ziemlich paradiesisch – bis kurz vor Schluss, als uns in unserer Kabine Geld geklaut wird. Nicht viel, Grund genug aber, um vorsichtig mit der Crew zu sprechen. Es passiert natürlich nichts, keine Kommunikation, kein Gespräch, Totschweigen bis zum Schluss und dann ein paar aggressive Beleidigungen – mehr erreichen wir nicht. Mit den „reichen Gringos“ kann man’s ja machen, mit diesem Gefühl verlassen wir leider nach der Woche das Boot. Schade, so ein schlechter Beigeschmack – aber zum Glück können die Schildkröten und die Robben und die comedyreifen Boobies ja nichts dafür!

Der schwierige Spagat zwischen Tourismus und Umweltschutz, der wird hier offensichtlich. Galapagos ist jedenfalls definitiv eine Reise wert! Wir verstehen, warum aufwendige Umweltprogramme initiiert werden und solch strenge Regularien hier herrschen: Wir schnorcheln mit Rochen, Pinguinen und Seelöwen, müssen aufpassen, dass wir nicht auf einen der Leguane treten und kucken den Schildkröten voyeuristisch bei der Paarung zu. Ein Seelöwe läuft mir einfach über die Füße, was muss ich aber auch auf seinem Steg im Weg herumstehen!