Ein wenig Wind und ein wenig Rum… wir feiern ein paar Tage Wiedersehen in Cartagena mit den Schweizer Freunden, und stoßen darauf an, dass der Bus schnurrt wie ein Kätzchen. Nein, wie ein Tiger! Die Dreckskarre möchte doch noch weiter nach Norden reisen. Ihr Wunsch ist uns Befehl, und so muss jetzt nur noch die Verschiffung organisiert werden. Per Landweg ist es nicht möglich, die Darien Gap von Kolumbien nach Panama zu überqueren, zumindest nicht auf legalem Wege. Es bleiben uns nur ein Container oder eine Roll On/Roll Off-Verschiffung. Da unser Bus in einen Container passt und der bekanntlich diebstahlsicherer ist, werden wir auch jetzt wie bei der Verschiffung von Europa nach Uruguay wieder einen solchen buchen. Leider haben wir durch unseren Werkstattaufenthalt unsere bisherigen Verschiffungspartner verloren, also müssen wir kurzfristig noch Mitreisende finden, um die Containerkosten zu teilen. Warten wollen wir nicht mehr, auch wenn es in Kolumbien noch ein wenig zu sehen gäbe – jetzt haben auch wir mal Zeitdruck!
Und wir haben riesiges Glück. Wir treffen auf einen argentinischen VW-Bus und sogar noch zwei australische Motorräder, mit denen wir uns gemeinsam einen 40“-Container teilen. Organisiert wird das Ganze von der Agentur Enlace Caribe (empfehlenswert!), und so verbringen wir ein paar Tage in Cartagena mit den Formalitäten. Für die restlichen Tage bis zum Verschiffungstermin heizen wir noch an der Küste entlang bis nach Cabo de la Vela, dem wohl bekanntesten Kitespot Kolumbiens. Für uns ist das hier quasi der Schlusspunkt Südamerikas, der nördlichste Punkt, den wir in Südamerika befahren haben, das windigste Kap der nördlichen Hälfte Südamerikas, der sandkornreichste Punkt aller Orte nördlich der höchsten Palme der westlichen Hälfte Kolumbiens… oh, wie wir gewisse Reiseführer lieben!

Bei ordentlichem Offshore-Wind kiten wir, mitunter ein wenig über-powered, und verlassen den Spot dann leider schon wieder Richtung Cartagena.

Der Container steht bereit, zusammen mit unseren Verschiffungspartnern wartet er darauf, beladen zu werden. Der jeweilige Fahrzeughalter allein hat nun das Vergnügen, bei windstillen 35 Grad fünf Stunden im Hafengelände dem Zoll und der Polizei den Inhalt der Autos zu präsentieren. Dann werden die Autos und Motorräder in den Container gefahren und gut verzurrt, das Ganze versiegelt und für 2500 US Dollar in einem Tag nach Colon / Panama geschippert. Schon irre, der Aufwand und die Kosten, dabei würde eine Straße mit ca. 120 km ausreichen, um das „Darien-Hindernis“ zu überbrücken. Andererseits bleibt so der sumpfige Regenwald unberührt, und der kulturelle Lebensraum der ansässigen indigenen Völker sowie auch der Drogenschmuggler ungestört.

Nun hoffen wir, dass unser Container nicht zu den 0,0006 % der jährlich transportierten Container gehört, die ins Wasser fallen, und vertreiben uns die Zeit in Cartagena und Panama City, bis wir hoffentlich in einer Woche den Bus in Panama wieder haben…