Rank und schlank sind wir letztes Jahr an Weihnachten aus Peru nach Hause gekommen. Wird wohl dieses Jahr nichts, dem Roast Beef und den Brownies sei dank. Wir genießen wochenlange Verköstigung bei Tante Gertraud und Onkel Darrell, und wir können uns bei gutem Essen einfach so schlecht zurückhalten… Ein riesiges Bett und eine richtige Küche – der Bus muss allein draußen schlafen. Wir machen Schäufele und Zwiebelkuchen, testen die „Nuremberg Bratwurste“, die es hier so gibt und wundern uns über das Mega-Sortiment in den Supermärkten. Und über die dutzend verschiedenen Fast Food-Ketten und die Shopping-Bunker, die alle im gleichen beige-braun gestrichen sind. Man sollte meinen, wir haben das bei uns auch alles, aber irgendwie ist hier doch alles nochmal extremer.
Im Casino, auf dem Tennisplatz und im Pool, unser gewohnter Reisemodus ist ganz schön durcheinander! Und wir finden ein neues Lieblingsgefährt: ein Zug! Ein paar Freunden sei dank, da sitzen wir plötzlich am Steuer einer fahrenden Lok. Vorwärtsgang, Rückwärtsgang, Bremse und das ganze auf Schienen – wer will da noch rückwärts einparken? Das ist mein Fahrzeug! Als ich dreimal kräftig hupe, geht die Schranke herunter und schwupps, da ist die komplette Hauptstraße gesperrt – nur für mich! Lieber Weihnachtsmann, dieses Jahr wünsche ich mir eine Lok!

Wir streifen mit unserer Familie durch den Sequoia-Park. Sie haben lange selbst im Nationalpark der Baumriesen und gigantischen Felsen gelebt und gearbeitet, kennen noch jede Straßenkurve und jeden Aussichtspunkt. Klopft man an die Stämme der unendlich hohen Bäume, fühlt es sich an, als würde man auf einen Boxsack schlagen, so weich sind sie. Fast jeder Baum ist an irgendeiner Stelle angebrannt, denn die Sequoias brauchen unbedingt ihr jährliches Feuer. Ihre Samenkapseln öffnen sich nur unter Hitze, gleichzeitig tötet das Feuer sämtliche Parasiten in der Umgebung ab und lässt so ungehindert neue Bäumchen spriessen. Viele der Riesen sind innen hohl – Achtung, manchmal sitzt ein Bär drin…

Wir schnuppern noch ein wenig von der kühlen Brise der kalifornischen Küste, staunen über die goldenen Felder, die uns an peruanisches Hochland erinnern, und stecken unsere Zehen in den Pazifik – nicht weiter, viiiel zu kalt…

In den kommenden Wochen zerlegen wir den Bus und putzen jedes einzelne Schräublein. Er bekommt neue Reifen, lackierte Felgen, neue Hufeisenlager, neue Zuggurte, neue Moskitonetze… Eine Generalüberholung eben. Der Grund? Naja, fällt uns schwer, aber es ist Zeit zur Brautschau. Damenwahl, Casting – ach, verkaufen wollen wir ihn halt, jetzt ist’s raus! Warum? Weil er uns langsam auf die Nerven geht. Weil wir unser Leben nicht mehr von den Dramen einer Diva bestimmen lassen wollen. Weil es Zeit für einen Spurenwechsel ist. Klingt arg dramatisch, gell? Aber es ist so – wir freuen uns auf Zuhause, wir wollen (und müssen) arbeiten, freuen uns auf geregeltes Aufstehen, Abendessen und die Frage, ob die Kissenüberzüge zur neuen Couch passen. Der Bus passt da noch nicht so richtig rein, er frisst Geld und Zeit und Platz, alles, was wir erst mal noch gar nicht haben. Und da versuchen wir es nun einfach mal im Land der berühmten „Westy’s“, ob ihm nicht hier schon jemand ein nettes Zuhause geben will.

Wenn sich kein Plätzchen findet, dürft ihr euch alle schon mal auf die Fortsetzung der „Never ending stories of Dreckskarre“ freuen!